HEADLINE BALL Historie der Bergwacht Württemberg
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Von damals bis heute
Von der Entstehung, über Ideen und Verwirklichung
Bericht von Franz Zeiger zum 60. Jahrestag der Gründung der Bergwacht Württemberg

 

Fast vom äußersten südwestlichen Rand Deutschlands zieht sich ein Mittelgebirge von etwa 220 Kilometer Länge nach Nordosten: Die Schwäbische Alb. Sie erstreckt sich von Tuttlingen his Bopfingen, ist zwischen der Donau und dem Neckar, den Hauptflüssen in Württemberg, ca. 25 km breit und vor Jahrmillionen aus dem Jurameer entstanden. Sie birgt Felsen, Berge, Taler, Höhen, Buchenwälder und Wiesen. Urlandschaft und Kulturlandschaft schufen eine kleine Welt, ein großes Paradies, für den, der es zu schauen versteht, zu schauen wie große Dichter: Wieland, Mörike, Lämmle, Reyhing und viele andere mehr. Aus diesem schwäbischen Gebirge stammen stolze und große Adelsgeschlechter: Staufer, Zollern, Württemberger. Kaiser, Könige und Herzoge hatten hier ihre Stammburgen. Das war noch zu einer Zeit, als die Alb unwirtlich und kalt war, als man noch von einer "rauhen Alb" sprach. Harte Winter, monatelang vom Schnee eingeschlossene Dörfer und karge Sommer rechtfertigen diesen Namen.



Kurt Butz (l.) und Max Hartmann 1962 beim
25-jährigen Jubiläum in der Stuttgarter Liederhalle.

In diesem Gebirge stellte 1937 nach Vorbild und auf Anregung bayrischer Bergwachtmänner Kurt Butz, ein Eisenbahnbeamter aus Friedrichshafen mit Wohnsitz in Stuttgart "seine Bergwacht" auf. Trotz politischer Unbill und Anfeindung war aus einem anfänglich kleinen Kreis bald eine stattliche Anzahl Männer geworden, die sich freiwillig und ohne Eigennutz dem Bergwachtdienst verschrieben haben. Die neben der Naturschutzarbeit auch den Rettungsdienst an Sommer und im Winter durchführten; denn der Wintersport wurde vor dem 2. Weltkrieg auf der Schwabischen Alb immer populärer. Zwar liegen die Anfange des Skilaufens schon vor dem ersten Weltkrieg, Aufschwung erfuhr diese zunächst etwas exklusive Sportart aber erst richtig Mitte der 30iger Jahre. Aufschwung gab es auch für die Kletterei an den oft bis über 100 Meter hohen Felsen am Nord- oder Südrand der Alb. Wanderungen auf der Alb waren Dank des damals schon 50 Jahre alten Schwäbischen Albvereins immer beliebter. So war die Geburt einer Organisation, die für Recht und Ordnung sorgte, die bei Unfällen oder Notständen Hilfe leistete und mit ausgebildeter Mannschaft präsent war, einfach zwangsläufig. Nach Gründung der Ortsgruppe Stuttgart folgten bald Ortsgruppen in Schwabisch Gmünd, Göppingen, Heidenheim, Tübingen. Auch in den Württembergischen Schwarzwald strahlte der Gedanke der Bergwacht nach Freudenstadt und nach Baiersbronn aus. Diese Gebiete werden aber heute noch von der Bergwacht Schwarzwald betreut. Zwei Jahre später brachte der unselige Krieg die Aufbauarbeit zum Erliegen. Bergwachtler, die nicht ins Feld mussten, hielten die Fahne mit dem grünen Kreuz fest und sie sammelten nach 1945 die alten Freunde wieder zu neuen Taten. Mancher Heimkehrer schätzte sich glücklich nicht nur Elternhaus und Familie, sondern auch die bewährten Kameraden wieder zu finden.

 








In rascher Folge wurden nach dem Anschluss an das Deutsche Rote Kreuz Bergwachtortsgruppen und danach Bergwacht-Bereitschaften ins Leben gerufen. Dies geschah alles unter der Führung des Ausschußvorsitzenden Max Herrmann. Überall auf der Alb, wo Kletterfelsen oder Skihänge waren, sollten Bergwachtler zur Hilfe bereit stehen. Es entstanden neue Bereitschaften in Esslingen, Heidenheim, Geislingen-Wiesensteig, Pfullingen, Ravensburg, Isny, Oberes Donautal, Lenninger Tal und Aalen. Unter der kraftvollen Führung von Gerhard Maier, der die Landesleitung 1999 übernahm, ging es weiter mit der Gründung der Bereitschallen Herbrechtingen, Unterland für die Felsengärten bei Hessigheim, Fridingen für den Donau-Heuberg-Bereich, Bad Urach, Blautal und Rottweil. 1987 übernahm Heinz Bolz als neuer Landesleiter eine fast flächendeckende Bergwacht, die es zu festigen und auf dem neuesten Stand der Ausbildung und Ausrüstung zu halten galt. Vielleicht gibt es noch einen weißen Fleck auf der Landkarte, der mit einer DRK-Bergwachtbereitschaft zu füllen wäre?
Durch große Hilfe des Landes Baden Württemberg, konnten bis jetzt 19 Bereitschaften gegründet und mit Rettungsmaterial ausgerüstet werden. Die Bergwachtbereitschaften mit ihrer Ausrüstung sind überall in der Lage, ihrer selbst gewählten Verpflichtung, dem Dienst am Nächsten, gerecht zu werden. Die immer schwieriger werdende Haushaltslage des Landes erfordert wie in den Gründerjahren sehr viel Eigeninitiativen, um wie gewohnt helfen zu können.


Die DRK-Bergwacht Württemberg war maßgeblich mitbeteiligt an der Gründung der "Arbeitsgemeinschaft der Bergwachtlandesverbande", dem heutigen "Bundesausschuß Bergwacht", an der "Arbeitsgemeinschaft der Spezialorganisationen des Landes Baden-Württemberg" sowie an der Gründung der "Landesarbeitsgemeinschaft der Naturschutzverbande", dem jetzigen "Landesnaturschutzverband".
Eine rege Jugendarbeit, zunächst von Dieter Balzer in wenigen Bereitschaften angeregt, hat sich bald auf alle Bereitschaften ausgedehnt und sichert einen interessierten und zahlreichen Nachwuchs für die aktive Bergwachtarbeit. Informationsarbeit muss bereits in den Schulen geleistet werden, damit die Initiative zum Helfen geweckt wird.
Sehr hilfreich war und ist immer noch die Unterstützung des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg und seiner Kreisverbände. Ein ganz besonderer Dank gilt im 60. Jubiläumsjahr den vielen Bergwachtkameraden und den Förderern, eingeschlossen alle Kameraden mit Leitungsfunktionen im Land und in den Bereitschaften, kurz - allen Frauen und Männern, die in dieser langen Zeit "ein- und ausgingen", insbesondere aber jenen, die der Bergwacht über Jahrzehnte die Treue hielten. All denen gebührt ganz großes Lob für die Mithilfe beim Schutz unserer Mitmenschen und unserer Heimat.